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Ist eine frühe Aussaat meiner Zwischenfrucht, trotz der Gefahr der Blüte, des Aussamens und dem darauffolgenden Unkraut, sinnvoll?

Wenn die Zwischenfrucht Samen bildet, macht's Probleme?

Viele Landwirte kennen das ungute Gefühl: Die Zwischenfrucht steht prächtig, doch plötzlich färbt sich der Bestand gelb oder weiß – die Pflanzen beginnen zu blühen. Sofort stellt sich die Frage: Muss ich jetzt umbrechen? Werden die Samen im nächsten Jahr zum Problem?

In diesem Artikel räumen wir mit dem „Unkraut-Trauma“ auf und schauen uns an, warum eine frühe Aussaat trotz des Risikos der Blüte oft die bessere Wahl ist.



Die Blüte ist kein Ziel deiner Zwischenfrucht!


Wenn eine Pflanze blüht, stellt sie ihre Biologie komplett um. Sie wechselt vom vegetativen Wachstum (Blatt- und Wurzelbildung) ins generative Wachstum (Vermehrung). Das hat Folgen für deinen Boden:


  1. Wurzelstopp Sobald die Pflanze Blüten bildet, wird das Wurzelwachstum weitgehend eingestellt.


  2. Wurzelausscheidungen Die Abgabe von wertvollen Stoffen, die deine Bodenmikroben füttern, nimmt deutlich ab.


  3. Strukturaufbau Das Ziel, Bodenverdichtungen zu „sprengen“, rückt in den Hintergrund, da die Energie nun in die Samenbildung fließt.



Wann wird das Aussamen zum echten Risiko?


Nicht jede Blüte führt automatisch zu keimfähigen Samen. Ob ein Problem entsteht, hängt von mehreren Faktoren ab:


  • Pflanzenart:  Überwinternde Arten (wie Wicken oder Winterrübsen) brauchen meist einen Kältereiz und blühen erst im Frühjahr. Das Risiko liegt eher bei abfrostenden Arten wie Buchweizen, Senf oder Ölrettich.

Risikoarm

Risikoreich

Ramtillkraut

Äthiopischer Senf

Klee

Wicken

Buchweizen

Kresse

Leindotter

Ölrettich

Phacelia

Futtererbse


  • Stressfaktoren:  Trockenheit oder Hitze können Pflanzen dazu bringen, aus „Überlebensdrang“ extrem schnell in die Blüte zu gehen.


  • Witterung im Herbst:  Selbst wenn Samen entstehen, müssen sie trocken genug werden, um keimfähig zu sein. Bei Sonnenblumen ist das aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit im Winter fast nie der Fall, während Ölrettich hier zäher ist.



Management im Frühjahr: So behältst du die Kontrolle


Sollte es tatsächlich zum Aussamen kommen, ist das im modernen Ackerbau kein Grund zur Panik. Es gibt bewährte Wege, damit umzugehen:


Im Öko-Landbau: Durch gezielte mechanische Bodenbearbeitung (z. B. mit der Bodenfräse) lassen sich Keimlinge im Frühjahr effektiv bekämpfen.


Im konventionellen Anbau: Studien (z. B. LWK Niedersachsen) zeigen, dass fast alle gängigen Zwischenfrüchte im Mais oder in der Zuckerrübe mit Herbiziden zu nahezu 100 % wirksam bekämpft werden können.



⇒ Spezialfall Kartoffeln: Hier sollte man bei grobkörnigen Leguminosen (Wicken, Erbsen) vorsichtig sein, da diese im Kartoffelbau chemisch schwerer zu greifen sind.



Fazit: Das Risiko smart in Kauf nehmen


Der Nutzen einer massiven Wurzelentwicklung und der maximalen Photosynthese im Sommer ist meist viel höher als der Ärger über ein paar Ausfallpflanzen im nächsten Jahr.


„Obwohl eine frühe Aussaat das Risiko erhöht, dass die Zwischenfrucht durch Blüte und Aussamen zum Unkraut wird, überwiegen die Vorteile für den Boden bei weitem.“



Die Blüte deiner Zwischenfrucht wird zum Problem? Lass dir die Vorteile einer frühen Aussaat, trotz Aussamen und unerwünschtem Unkraut, nicht entgehen!


Wähle Sorten mit einer längeren Vegetationszeit aus und beobachte deine Bestände. Wenn du im Vorfeld weißt, wie du im Frühjahr reagierst, kannst du die Kraft der Sonne im Juli und August voll für deine Bodenfruchtbarkeit nutzen.


In unserem Yours2Grow-Programm unterstützen wir dich dabei, die ideale Zwischenfrucht-Mischung für deinen Standort zu finden. Wir wählen Sorten aus, die genau zu deinem Zeitplan passen, damit die Zwischenfrucht durch Blüte und Aussamen nicht zum Unkraut wird, sondern dein Boden von der frühen Aussaat profitiert.




Unsere Artikel gibt es auch als Youtube Videos erklärt von Christoph Gutscher


 
 
 

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