Hat eine blühende Zwischenfrucht bei früher Aussaat Nachteile für meinen Acker?
- Sabina Auberger
- 8. Jan.
- 3 Min. Lesezeit

Wenn du auf deinem Acker eine blühende Zwischenfrucht siehst, die voller Bienen und Insekten steckt, dann ist das optisch ein Gewinn und Spaziergänger freuen sich. Aber Hand aufs Herz: Uns Landwirten geht es um messbare Ziele im Boden. Die Frage ist also berechtigt: Birgt eine frühblühende Zwischenfrucht Nachteile für den Ackerbau?
Die Antwort ist im Vergleich zu den Vorteilen, sind diese verschwindend gering.
Wann blüht die Zwischenfrucht überhaupt?
Die Blüte richtet sich nach der Tageslänge:
Langtagpflanzen:
Typische Pflanzen zur Zwischenfruchtsaat, sind Langtagpflanzen. Sie keimen, wenn die Tage länger sind als die Nächte. Erhalten diese Langtagspflanzen kurz nach der Aussaat im Juli/August langer Tage, schalten sie sofort von der vegetativen in die generative Entwicklung um.
⇒ Frühe Aussaat = frühe Blüte

Alternative:
Verzögert sich die Aussaat bis September, wenn die Tage kürzer werden, verzögert sich die Blüte bis zum Zeitpunkt, wenn die Tage wieder länger werden.
Das hat aber, wie wir sehen werden, schwerwiegendere Nachteile.

Die klaren Nachteile einer blühenden Zwischenfrucht
Sobald die Pflanze ins generative Wachstum (Schossen und Blühen) wechselt, verlagert sich der Fokus vom Aufbau von Wurzeln und Blättern hin zur Vermehrung. Das hat vier wesentliche Nachteile:
A. Reduzierte und verschlechterte Biomasse
Verlust an oberirdischer Masse:
Die Pflanze reduziert die weitere Produktion von Spreu und Blättern zugunsten der Samenentwicklung. Der Bestand wird dünner. Die Bodenbedeckung verringert sich.
C:N-Verhältnis verschlechtert sich:
Das Material wird strohiger, zäher und holziger (Lignin steigt) und somit unverdaulicher. Das C:N-Verhältnis wird weiter (z.B. bei Getreide: bis 50:1).

→ Gewusst?
Leguminosen haben auch während der Blüte ein geringes C:N-Verhältnis und sind leichter verdaulich. Sie verändern sich zwar auch in der Biomasse Qualität, jedoch nicht derartig wie Getreide oder Kreuzblütler.
Geringere Effizienz:
Mikroorganismen benötigen mehr Energie, um dieses zähe Material umzusetzen. Die Kohlenstoffnutzungseffizienz sinkt, mehr Kohlenstoff geht als CO2 in die Luft, statt im Boden gebunden zu werden.
B. Massiver Rückgang der Wurzelausscheidungen
Fütterung stoppt:
Das ist der kritischste Punkt. Solange Pflanzen vegetativ wachsen, scheiden sie einen extrem hohen Anteil des gebundenen Kohlenstoffs (Zucker, Exsudate) aktiv aus, um das Boden-Mikrobiom zu füttern.
⇒ Sobald die Pflanze schosst, reduziert sich dieser Anteil massiv und schlagartig. Sie konzentriert sich auf die eigene Vermehrung und "kümmert" sich verhältnismäßig weniger um ihre Mikroorganismen.
C. Potenzial der Aussamung
Wenn blühende Pflanzen reifen, können sie Samen bilden und aussamen. Dies ist jedoch ein nachgelagertes Management-Thema, das sich durch klugen Umgang gut vermeiden lässt.
D. Bienen (Umstritten)
Einige Imker sehen eine Schwächung der Honigbienen durch späte Blüte und dadurch erhöhte Varroamilbenanfälligkeit. Andere Imker sehen dies als eine Frage des Management der Biene.
Darum ist die frühe Aussaat trotzdem die richtige Entscheidung!
Wir müssen die Nachteile einer blühenden Zwischenfrucht gegen die Vorteile der frühen Aussaat abwägen.
Die Vorteile überwiegen massiv!
A. Maximale Photosyntheseleistung nutzen
Wenn eine blühende Zwischenfrucht Nachteile haben kann, dann müssen wir die Aussaat so planen, dass wir die Zeit maximal nutzen.
Die Glockenkurve des Sonnenlichts:
Die meiste Energie und Photosyntheseleistung liefert die Sonne in unseren Breiten im Juli und August.

Späte Aussaat = verlorene Energie
Säen wir die Zwischenfrucht erst im September, verzichten wir freiwillig auf die maximal mögliche CO2-Bindung und den damit verbundenen Biomasseaufbau im wichtigsten Zeitraum des Jahres.
Dieser Energieverlust überwiegt alle Blüte-Nachteile!
B. Nährstoffe speichern
Hohe Bodentemperaturen:
Im Juli und August haben wir hohe Temperaturen im Boden. Bei genügend Feuchtigkeit kommt es zu einer enormen Mineralisierung von Stickstoff.
Die Notwendigkeit der Pflanze:
Diese mobilisierten Nährstoffe müssen sofort von unserer Zwischenfrucht aufgenommen und gespeichert werden, um sie im Kreislauf zu halten.
⇒ Keine Aussaat = Nährstoffverlust
Eine späte Aussaat bedeutet, dass diese wertvollen Nährstoffe nicht genutzt werden können und Verluste drohen.
Fazit
Ja, die Blüte bringt technische Nachteile mit sich, vor allem die Reduktion der Wurzelexsudate. Doch die alternative, spätere Aussaat würde uns die maximale Energie und die Nährstoffaufnahme im Hochsommer kosten. Kluges Management bedeutet, die frühe Aussaat zu wählen und die Nachteile durch beispielsweise die Kombination mit Leguminosen (Ausgleich des C:N-Verhältnisses) auszugleichen.
Spaziergänger bewundern deine blühende Zwischenfrucht aufgrund der frühen Aussaat? Wir helfen dir die biologischen Nachteile auszugleichen.
Du willst die maximale Photosyntheseleistung ausnutzen und gleichzeitig dein Bodenleben durch kluge Artenwahl bis tief in den Herbst hinein aktiv halten, ohne die biologischen Nachteile einer blühenden Zwischenfrucht deine Ziele bremsen? Wir unterstützen dich dabei, die passende, individuelle und diverse Mischung für deine Aussaat zu entwickeln.
Unsere Artikel gibt es auch als Youtube Videos erklärt von Christoph Gutscher




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