Stickstoffnachlieferung der Zwischenfrucht: Welche Faktoren sind entscheidend?
- Sabina Auberger
- 10. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 16. Dez. 2025
Die Frage, wie viel Stickstoff die Zwischenfrucht im Frühjahr nachliefert, ist komplex und lässt sich nicht mit einer einzelnen Zahl beantworten. Die tatsächliche Stickstofffreisetzung hängt von einem komplexen Zusammenspiel aus Biomasse, deren Qualität und der mikrobiellen Aktivität im Boden ab.

Folgende Faktoren bestimmen, wie viel Stickstoff für deine Folgekultur verfügbar wird.
1. Biomasse & Qualität
Die Menge an Stickstoff (N), die deine Zwischenfrucht an die Folgekultur liefert, ist primär von der oberirdischen Masse und ihrem C:N-Verhältnis abhängig.
A. Die Biomasse (Menge)
Oberirdische Biomasse ist entscheidend: Je mehr oberirdische Masse, umso mehr N in den Pflanzen, umso mehr N kommt in den Kreislauf zurück. Unterirdische Biomasse, wie Wurzeln, werden zu langsam zersetzt.
Mögliche Spannen:
Schlecht entwickelter Bestand: ca. 500 kg Trockenmasse/ha.
Sehr gut entwickelter Bestand: bis zu 5.000 kg Trockenmasse/ha.
Faustregel (Gefühl für Größenordnung):
Niedriger Bestand (10–20 cm, hoher Leguminosenanteil): ca. 10–20 kg Stickstoff/ha.
Hoher Bestand (1–1,5 m, hoher Leguminosenanteil): ca. 100–150 kg Stickstoff/ha.
B. Das C:N-Verhältnis (Qualität)
Das Verhältnis von Kohlenstoff (C) zu Stickstoff (N) in der Biomasse bestimmt die Zersetzungsgeschwindigkeit und damit, ob Stickstoff freigesetzt oder gebunden wird:
C:N-Verhältnis | Prozess | Folge |
Eng (≤ 24:1) | Mineralisierung | Stickstoff wird bei der Zersetzung sofort freigesetzt (mobilisiert) und steht der Folgekultur zur Verfügung. |
Weit (≥ 24:1) | Immobilisierung | Mikroben benötigen zusätzlichen Stickstoff aus der Bodenlösung, um das Material zu zersetzen. Es entsteht eine Stickstoffsperre (N-Bindung), die N-Freisetzung verzögert sich. |
C. Pflanzenart und Entwicklungsstadium
Leguminosen: Haben durchweg ein enges C:N-Verhältnis (≤ 24:1) in allen Stadien. Ihre Zersetzung ist schnell, und Stickstoff wird früh im Frühjahr nachgeliefert.
Gräser/Kreuzblütler (z.B. Ölrettich, Senf):
Vegetative Phase (niedrig): Enges C:N-Verhältnis → Schnelle Freisetzung.
Generative Phase (Richtung Blüte): Weites C:N-Verhältnis (bis zu 50:1) → Langsame Zersetzung und Immobilisierung (spätere Freisetzung).
2. Die Mikroben-Aktivität
Die Geschwindigkeit, mit der die in der Zwischenfrucht gespeicherte Biomasse zersetzt wird und der Stickstoff freigesetzt wird, hängt von der Aktivität der Bodenmikroben ab. Diese wird von drei Umweltfaktoren gesteuert.
A. Temperatur (Wärme)
Aktivierung: Die Zersetzung beginnt ab 5–8 °C, mit stark exponentieller Steigerung ab 10 °C.

Folge: Je kühler das Frühjahr, desto langsamer die Nachlieferung.
B. Sauerstoff (Bodenstruktur & Bearbeitung)
Wichtigkeit: Aerobe Mikroben benötigen viel Sauerstoff für eine schnelle Verrottung.
Management:
Bodenbearbeitung: Kurzfristige Zufuhr von Sauerstoff beschleunigt die Mineralisierung und damit die N-Umsetzung erheblich (schnellere Freisetzung).
No-Till/Direktsaat: Der Prozess verlagert sich zeitlich nach hinten, da die Erwärmung und Sauerstoffzufuhr langsamer erfolgen.
C. Feuchtigkeit (Wetter)
Mikroben benötigen Feuchtigkeit.
Staunässe oder starke Trockenheit hemmt die Aktivität.
Nach einer Trockenphase führt starker Niederschlag oft zu einem Mineralisierungsschub.
Fazit: Die Stickstoffnachlieferung ist bei jeder Zwischenfrucht individuell - Faktoren wie die Stickstoffverfügbarkeit sind entscheidend.
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Deine Zwischenfruchtmischung ist maßgebend für die Stickstoffnachlieferung – dies steht fest – wie viel Stickstoff die Zwischenfrucht im Frühjahr tatsächlich fixiert, entscheiden deine betriebsspezifischen Faktoren. Es hängt davon ab, welche Pflanzen du wählst und wie du deren Umbruch im Frühjahr managt.
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