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Warum ist Sauerstoffmangel und fehlende Nährstoffe fatal für Boden, aber auch Wurzel?

Warum die Wurzel so dringend Sauerstoff braucht?

Wenn eine Pflanze auf dem Feld kümmert, denken wir Landwirte meistens sofort an fehlende Düngung oder Krankheiten. Doch oft liegt das Problem tiefer – genauer gesagt im Gasaustausch des Bodens. Eine Pflanze leidet massiv, wenn die Wurzel im Boden nicht ausreichend Luft und Sauerstoff bekommt.


Egal ob durch Staunässe, schwere Verdichtungen oder oberflächliche Verschlämmung: Kann der Boden nicht mehr atmen, gerät die gesamte Nährstoffversorgung ins Wanken. In diesem Artikel schauen wir uns ganz ehrlich und praxisnah an, warum die Wurzelatmung der Motor des Pflanzenwachstums ist und wie ein Sauerstoffmangel das gesamte System blockiert.



Der Boden als Gesamtorganismus: Ein gigantischer Kreislauf

Man darf sich den Boden nicht als totes Substrat vorstellen – der Boden atmet wie ein riesiger Organismus.


  • Natürlicher Gasaustausch: 

    Weil im bewirtschafteten Boden die Sauerstoffkonzentration geringer ist als in der Luft, strömt permanent frischer Sauerstoff aus der Atmosphäre hinein. Umgekehrt ist der CO2-Gehalt im Boden höher, weshalb Kohlendioxid ständig nach oben entweicht.


  • Der Kohlenstoff-Kreislauf:

    Pflanzen binden CO2 über die Photosynthese. Ein riesiger Anteil dieses Kohlenstoffs wird jedoch über die Wurzeln wieder abgegeben – teils direkt veratmet, teils als Wurzelexsudate (Ausscheidungen) in den Boden geschleust. Dort wird er von den Mikroorganismen veratmet und geht zurück in die Atmosphäre. 


⇒ Ein permanentes Ein- und Ausatmen!



Das biologische Team bricht weg: Aerobe vs. anaerobe Bedingungen

Unsere mitteleuropäischen Kulturpflanzen sind keine Moorpflanzen. Sie sind auf ein gesundes, „aerobes“ (sauerstoffreiches) Milieu im Boden spezialisiert.


Die Mannschaft rund um die Wurzel


Pflanzenwurzeln halten sich eine regelrechte Mannschaft an nützlichen Bakterien, Pilzen und Kleinstlebewesen. Dieses Team stellt gemeinsam die Nährstoffversorgung sicher.


Sinkt die Sauerstoffkonzentration durch Verdichtung oder Staunässe, bricht dieses Team weg.


 Stattdessen übernehmen anaerobe Mikroorganismen das Ruder, die ohne Sauerstoff leben können. Mit diesen können unsere Kulturpflanzen jedoch nichts anfangen.


Diese anaeroben Organismen nutzen Nitrat zur Energiegewinnung (Denitrifikation).


 Die Folge:

Wertvoller Stickstoff verflüchtigt sich als Lachgas in die Luft. Fehlt der Sauerstoff noch drastischer, geht sogar Kohlenstoff verloren und es entweicht klimaschädliches Methan.



Warum die Wurzel aktiv atmen muss: Der Motor der Ionenpumpen

Dass die Wurzel selbst Sauerstoff braucht, hat einen ganz handfesten biochemischen Grund. Während die oberirdischen Pflanzenteile im Sonnenlicht Sauerstoff produzieren, herrscht unter der Erde Dunkelheit. Die Wurzel muss atmen, um Energie zu gewinnen. Und diese Energie wird dringend für die Nährstoffaufnahme benötigt.


  • Das Konzentrationsgefälle:

     In der Wurzel herrscht eine viel höhere Konzentration an Nährstoffen als in der umgebenden Bodenlösung. Rein physikalisch würden die Nährstoffe also eher aus der Wurzel heraus- als hineinwandern.


  • Die Ionenpumpen: 

    Um diesen Widerstand zu überwinden, besitzt die Pflanze sogenannte Ionenpumpen. Diese Pumpen tragen die Nährstoffionen aktiv gegen das Gefälle in die Wurzel hinein.

Ionen-Pumpe vs. Konzentrationsgefälle um Nährstoffe aufzunehmen

  • Der Energie-Crash bei Sauerstoffmangel: 

    Für diese Arbeit benötigt die Pflanze Energie, die sie nur durch das Veratmen von Sauerstoff gewinnt. Gibt es im Boden keinen Sauerstoff mehr, fehlt den Ionenpumpen der Treibstoff. Es kommt sofort zu einer schlechteren Versorgung mit Stickstoff, Kali, Kupfer, Zink und vielen weiteren Elementen.



Das Phänomen im Frühjahr:

Gelbes Getreide ist oft kein Düngermangel

Jeder Praktiker kennt das Bild im frühen Frühjahr, wenn der Winter zu Ende geht: Die Getreidebestände (besonders die Wintergerste) werden plötzlich gelb – ganz extrem in den Fahrgassen oder am Vorgewende.


ABER!

Auf den ersten Blick sieht das nach einem klassischen Nährstoffmangel im Boden aus.


Die wahre Ursache: 

In den meisten Fällen ist es jedoch ein reiner Sauerstoffmangel! Durch die winterliche Staunässe und die strukturellen Verdichtungen in den Fahrgassen bekommt die kleine Pflanzenwurzel keine Luft. Der Stickstoff wäre im Boden zwar meist in ausreichender Form da, aber die blockierte Ionenpumpe kann ihn ohne Sauerstoff schlichtweg nicht aufnehmen. Es ist also kein Mangel im Boden, sondern ein Mangel in der Pflanze aufgrund fehlender Bodenatmung.



Lösungsorientierte Ansätze: Was können wir als Landwirte tun?

Mechanische Bodenbearbeitung wie das Hacken bringt zwar kurzfristig Sauerstoff in den Boden und regt das Wachstum an, aber es ist letztlich nur eine Notfalllösung. Wir müssen das Problem nachhaltig und strukturell lösen.


  1. Lebend verbauen durch Wurzeln

    Die beste und stabilste Bodenstruktur baut man über die Biologie auf. Intensive, lebendige Pflanzenwurzeln in Kombination mit einem aktiven Bodenleben sorgen ganz von allein für die perfekte Krümelstruktur und damit für den optimalen Gasaustausch.


  2. Die Bodenchemie im Blick behalten

    Besonders bei schweren Böden spielen die chemischen Verhältnisse von Kalzium und Magnesium eine riesige Rolle. Liegt hier ein Missverhältnis vor, leidet die Struktur, der Boden neigt zu Verschlämmung und die Atmung bricht zusammen. Eine ausgeglichene Kalkversorgung ist das Fundament.



Fazit

Wenn wir Spitzenerträge erzielen wollen, müssen wir die Bodenatmung genauso wichtig nehmen wie die Düngung selbst. Nur wenn der Boden stimmt und die Wurzel nicht an Sauerstoffmangel leidet, können die Ionenpumpen auf Hochtouren laufen und die Pflanze gesund mit Nährstoffe ernähren.



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Unsere Artikel gibt es auch als Youtube Videos erklärt von Christoph Gutscher


 
 
 

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