Wie viel Stickstoff gehört in eine ausgewogene Pflanzenernährung und wie viel macht meine Pflanzen krank?
- Sabina Auberger
- 23. Mai
- 3 Min. Lesezeit

Zwei Felder liegen direkt nebeneinander, auf beiden wächst dieselbe Kultur. Doch während der eine Schlag massiv von Insekten befallen oder von Krankheiten geplagt wird, steht der Nachbarbestand topgesund da. Wie kann das sein? Ein entscheidender und oft unterschätzter Grund dafür liegt in einer fehlerhaften Pflanzenernährung – ganz besonders in einem unüberlegten Zuviel an Stickstoff.
Der Eiweißstau im Blatt:
Warum Insekten überfütterte Pflanzen lieben
Um zu verstehen, warum Blattläuse und andere Schadinsekten bestimmte Pflanzen regelrecht belagern und andere komplett links liegen lassen, muss man sich ihre Verdauung anschauen:
🦟 Die Insekten
Aufgrund ihrer geringen Körpergröße besitzen Insekten kein komplexes Verdauungssystem wie wir Menschen. Es fällt ihnen extrem schwer, voll entwickelte, komplexe Proteine und Eiweiße aufzuspalten, um an den lebensnotwendigen Stickstoff zu gelangen.
🍎 Die Vorliebe für „Vorverdautes“
Insekten bevorzugen leicht verdauliche Nahrung. Das sieht man an faulendem Obst: Hier haben Mikroorganismen das organische Material bereits vorzerlegt. Die Insekten fliegen gezielt darauf ab, weil sie die freien Bausteine mühelos aufnehmen können.
🧲 Der biochemische Magnet
Bekommt eine Pflanze unkontrolliert viel Nitrat aus dem Boden, nimmt sie es gierig auf, da Nitrat in der freien Natur ein Mangelrohstoff ist. Kommt die Pflanze mit dem Verarbeiten im Blatt nicht hinterher, entsteht ein Stau. Im Saft der Blätter schwimmen plötzlich riesige Mengen unfertig verbauter Stickstoffe (freie Aminosäuren). ⇒ Für Blattläuse, der absolute Jackpot: ein perfekt gedeckter, leicht verdaulicher Eiweiß-Tisch. Sie stechen das Blatt an und saugen die Pflanze aus.
Wie kommt es zu dem Nitrat-Stau im Boden und in der Pflanze?
Ein akuter Stickstoffüberschuss in der Pflanze entsteht meist durch ein unglückliches Zusammenspiel von Düngung und Witterung:
↳ Falscher Zeitpunkt bei der Düngung:
Wird eine zu hohe Gabe eines nitrathaltigen Düngers appliziert (oder Harnstoff, der im Boden rasch zu Nitrat umgewandelt wird), ist schlagartig extrem viel freies Nitrat in der Bodenlösung vorhanden.
↳ Die Humus-Falle:
Kommen nach einer Düngung starke Niederschläge und steigende Temperaturen zusammen, explodiert das Bodenleben. Der Humus liefert zusätzlich enorme Mengen an Stickstoff nach.
↳ Überforderung der Kultur:
Die Pflanze saugt das gesamte verfügbare Nitrat auf, schafft es aber physiologisch nicht mehr, diesen Strom von den Wurzeln rechtzeitig in den Blättern zu fertigen Proteinen umzubauen. Die Folge ist die oben beschriebene Schieflage.
Spannende Alternative: CULTAN-Düngung
Dass es auch anders geht, zeigt der Blick auf alternative Systeme wie die CULTAN-Düngung. Hier wird ein komplett anderer biochemischer Weg gewählt:
Keine Überaufnahme möglich: | Bei diesem System wird der Stickstoff nicht als Nitrat, sondern als Ammonium in Form von Depots in den Boden eingebracht. Ammonium kann von der Pflanze nicht unkontrolliert im Übermaß aufgenommen werden, da es in zu hoher Konzentration toxisch (giftig) für sie wäre. |
Verarbeitung direkt in der Wurzel: | Während Nitrat erst durch die ganze Pflanze bis in die Blätter transportiert werden muss, um dort umgebaut zu werden, verarbeitet die Pflanze das Ammonium direkt an Ort und Stelle in der Wurzel zu fertigen Aminosäuren und Eiweißen. Das Risiko von unfertigen Stickstoffverbindungen im Blatt geht gegen null → der Insektenmagnet bleibt aus. |
Doch ohne Kalium, Magnesium und Molybdän läuft eh nichts!
Es bringt absolut gar nichts, nur auf den Stickstoff zu starren. Oft ist gar nicht die gedüngte Menge das Problem, sondern das Fehlen der Partner-Nährstoffe, die für den Umbau des Stickstoffs zwingend benötigt werden. Damit die Kulturen stabil bleiben und nicht krank werden, müssen die Nährstoffverhältnisse exakt stimmen:
Kalium | Magnesium | Molybdän |
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Man muss also immer das große Ganze im Blick behalten. Nur eine harmonische und ausgewogene Nährstoffversorgung sichert die natürliche Widerstandskraft der Bestände.
Fazit
In einer Zeit, in der immer mehr chemische Wirkstoffe im Pflanzenschutz wegfallen, wird die ausgewogene Pflanzenernährung zur wichtigsten Stellschraube für einen nachhaltigen und profitablen Ackerbau. Das ist kein neu erfundenes Rad – in der Wissenschaft gibt es dazu, unter anderem in den USA, bereits tiefgehende Untersuchungen –, aber dieses Wissen muss dringend in die breite landwirtschaftliche Praxis getragen werden.
Wenn ein Schädling oder eine Krankheit im Feld explodiert, sollten wir nicht reflexartig nur den Erreger verdammen. Oft ist es der Stickstoff der die Pflanze krank macht, oft ist es aber auch ein Hilfeschrei, dass keine ausgewogene Pflanzenernährung herrscht.
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