Weniger Bodenbearbeitung erschafft einen Lebensraum für die Feldmaus, aber wie funktioniert die Bekämpfung?
- vor 13 Stunden
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Weniger Pflügen und mehr Zwischenfrüchte sind hervorragend für die Bodenfruchtbarkeit. Doch ein Nebeneffekt bereitet vielen Landwirten Sorgen: Die Zunahme von Feldmäusen. Warum ist das so und wie kannst du das Problem ganzheitlich in den Griff bekommen?
Die Feldmaus
Die Feldmaus ist enger mit der Wühlmaus verwandt als mit der Hausmaus. Sie lebt in weit verzweigten Gangsystemen, meist etwa 20 cm tief im Boden.

Warum fördern moderne Verfahren die Maus?
Zwei Faktoren sind entscheidend:
Der ungestörte Lebensraum: Durch weniger Bodenbearbeitung bleiben die Gänge und Nester intakt. Je intensiver der Boden bewegt wird, desto stärker wird dieser Rückzugsort zerstört.
Das Futterangebot: Feldmäuse ernähren sich von krautigen Pflanzen, Gräsern und Samen. Zwischenfrüchte bieten Futter vom Sommer bis in den Winter hinein – eine Zeit, in der ein schwarz brachliegender Acker keine Nahrung liefern würde.
Feldmäuse fressen täglich etwa ein Viertel ihres Körpergewichts. Da sie alle drei bis vier Stunden Nahrung brauchen, verlassen sie ständig ihre Löcher. Bei fehlendem Grün im Winter greifen sie auf Samen und Ausfallgetreide zurück.
Die Schadschwelle ermitteln:
Die Lochtret-Methode
Bevor man zu drastischen Maßnahmen greift, muss man wissen, ob die Population der Feldmäuse überhaupt ein kritisches Ausmaß erreicht hat. Hierfür gibt es einen bewährten Standard aus der landwirtschaftlichen Praxis: die Lochtret-Methode. Diese hilft dabei, die Aktivität der Nager präzise einzuschätzen.
So funktioniert die Methode Schritt für Schritt:
1. Schritt: | Testfläche markieren | Suche dir auf deinem Schlag eine repräsentative Fläche von 250 qm aus |
2. Schritt: | Löcher verschließen | Tritt alle sichtbaren Mauselöcher auf dieser Fläche zu |
3. Schritt | Wartezeit einhalten | Warte 24 Stunden, sodass die Mäuse zur Nahrungssuche herauskommen |
4. Schritt | Geöffnete Löcher zählen | Zähle nach den 24 Stunden, wie viele Löcher wieder offen sind |
Ab wann wird es kritisch?
Die sogenannte Schadschwelle gibt an, ab welcher Anzahl an offenen Löchern eine Bekämpfung wirtschaftlich sinnvoll und fachlich geboten ist.
Diese Schwelle variiert je nach Jahreszeit:
✿ Frühling: Schadschwelle a 5 wiedergeöffneten Löchern
❀ Herbst: Schadschwelle a 5 - 8 wiedergeöffneten Löchern
Wenn diese Zahlen erreicht werden, befinden sich rechnerisch etwa 80 bis 120 Feldmäuse pro Hektar auf deiner Fläche – ein Bestand, der bereits massive Schäden an den Hauptkulturen oder den frisch gesäten Zwischenfrüchten verursachen kann.
Strategien zur Bekämpfung im Detail
1. Förderung natürlicher Feinde
Der erste Schritt sollte immer die biologische Unterstützung sein. Greifvögel, Wiesel und Füchse sind die natürlichen Gegenspieler der Feldmaus.
Sitzstangen:
→ In baumarmen Ackerbauregionen fehlen Greifvögeln Aussichtspunkte.
→ Installiere hohe Sitzstangen.
⇒ Wichtig: Verwende natürliche Äste oder Holz, damit sich die Vögel gut festhalten können.

2. Gezielte Bodenbearbeitung
Obwohl wir den Boden zur Humusbildung ruhen lassen wollen, bleibt die mechanische Bodenbearbeitung immer noch ein wirksames Mittel.
Störung der Gänge:
→ Tiefere Bearbeitung zerstört die Nester.
→ Das Walzen von Stoppeln nach der Ernte zeigt laut Studien nur mäßigen Erfolg.
Management von Ausfallgetreide:
→ Je weniger Samen vom Mähdrescher auf dem Feld bleiben, desto geringer ist die Überlebenschance der Population im Winter.
3. Chemische Bekämpfung
Bei der Bekämpfung kommen meist Giftweizen oder Giftlinsen (Wirkstoff Zinkphosphid) zum Einsatz. Diese müssen zwingend in die Gänge eingebracht werden, um andere Tiere und Menschen zu schützen.
Legeflinte:
→ Handarbeit
→ In großen Betrieben sehr aufwendig
Mäusepflug:
→ Köderlegemaschine
→ Dieser zieht einen künstlichen Gang durch den Boden und legt darin Köder ab.
→ Feldmäuse nutzen diese wie eine “Autobahn” und nehmen das Gift auf.

Fazit
Es ist ein Spannungsfeld: Für die Feldmaus Bekämpfung müssen wir zu unterschiedlichen Maßnahmen greifen, die oft unseren Zielen beim Humusaufbau widersprechen. Dennoch zeigt die Erfahrung, dass man nicht alles auf die Zwischenfrucht schieben kann. Mäusepopulationen treten oft in Zyklen auf und sind ein überregionales Problem.
Aber denk dran!
Um dennoch den wirtschaftlichen Erfolg durch reduzierte Bodenbearbeitung nicht zu gefährden, muss man die Bekämpfung vom Lebensraum der Feldmaus als Teil eines integrierten Gesamtsystems verstehen.
Reduzierte Bodenbearbeitung und Zwischenfrucht ist dein Ding, dann lass dich von der Feldmaus nicht beeinflussen. Wir helfen dir bei der Bekämpfung von ihrem Lebensraum!
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Unsere Artikel gibt es auch als Youtube Videos erklärt von Christoph Gutscher














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