Wie kann ich die ausgesamte Zwischenfrucht in meiner Folgekultur, mit einer effizienten Herbizidstrategie und Wirkstoffaufnahme, bekämpfen?
- Sabina Auberger
- vor 1 Tag
- 3 Min. Lesezeit

Zwischenfrüchte sind das Rückgrat der Bodenfruchtbarkeit. Sie bauen Humus auf, schützen vor Erosion und verbessern die Bodenstruktur. Doch was passiert, wenn die Zwischenfrucht im Frühjahr plötzlich zum "Unkraut" in deiner Hauptkultur wird? In diesem Artikel erfährst du, wie du das Problem im konventionellen Ackerbau effizient löst.
Zwei Szenarien: Überlebenskünstler vs. neue Generation
Um die richtige Strategie zu wählen, musst du zuerst wissen, mit wem du es zu tun hast. Es gibt grundsätzlich zwei Fälle:
1. Die überlebende Zwischenfrucht
Pflanzen, die winterhart sind oder den Umbruch überlebt haben, stehen bereits seit dem Sommer auf dem Acker. Das Problem: Sie haben oft wenig grüne Blattfläche, aber eine gewaltige Wurzelmasse mit vielen Reservestoffen.
Die Falle: Mechanische Maßnahmen wie Walzen oder Mulchen können die Pflanze "lädieren". Sie kümmert dann vor sich hin, treibt aber aus der starken Wurzel wieder aus.

Das Herbizid-Dilemma: Da kaum Blattmasse vorhanden ist, ist die Wirkstoffaufnahme extrem eingeschränkt. Ähnlich wie bei der Ackerkratzdistel gilt hier: Manchmal ist es besser, etwas zu warten, bis mehr Blattmasse da ist, damit das Herbizid bis in die Wurzel (Rhizome) wirken kann.
⇒ Achte zudem auf Spritzschatten durch abgestorbene Biomasse oder Erde!
2. Ausgesamte Zwischenfrüchte
Wenn die Zwischenfrucht im Herbst Zeit zum Blühen hatte und Samen gebildet hat, keimen diese im Frühjahr bei passenden Temperaturen auf.

✓ Der Vorteil: Diese Pflanzen sind klein (Keimblatt- bis Zwei-Blatt-Stadium) und lassen sich meist problemlos mit einer Standard-Herbizidstrategie bekämpfen.
Ergebnisse aus der Praxis: Die Untersuchung der LWK Niedersachsen
Ein interessanter Versuch der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (2019) hat verschiedene Zwischenfruchtarten (von Phacelia bis Bitterlupine) und deren Reaktion auf Herbizide untersucht.
Totalherbizide | Ein Roundup PowerFlex (480 g Glyphosat/l) deckte fast alles gut ab. Überraschenderweise zeigten sich jedoch Lücken bei Wicken und Ackerbohnen. Hier war das Bekämpfungsergebnis nicht immer ausreichend. |
Resistenzen | Ein wachsendes Problem in der Praxis ist das Raygras (Welsches Weidelgras), bei dem bereits Glyphosatresistenzen bekannt sind. |
Strategien für die verschiedenen Folgekulturen
Je nachdem, welche Kultur folgt, bietet der chemische Baukasten unterschiedliche Lösungen:
🌽 Mais
Hier ist die Bekämpfung meist unproblematisch. Besonders effizient zeigten sich Sulfonylharnstoffe (z. B. MaisTer Power), die eine sehr hohe Wirkung gegen ausgesamte Zwischenfrüchte haben.

Zuckerrübe
Conviso-System:
Da hier ähnliche Wirkstoffe wie im Mais verwendet werden, ist die Bekämpfung sehr effektiv.
Klassisches System:
Mehrere NAK-Anwendungen (z. B. mit Phenmedipham und Ethofumesat) decken viel ab. Bleiben Winterwicken oder Sonnenblumen stehen, hilft der Wirkstoff Clopyralid (z. B. Lontrel) sehr zuverlässig.

🥔 Kartoffel
Hier gibt es öfter Lücken im Vorauflauf, insbesondere bei grobkörnigen Leguminosen und Sonnenblumen, da die gängigen Kartoffel-Herbizide oft eine Verwandtschaft zu diesen Pflanzen haben und daher weniger wirken.

Fazit
Das Problem der Bekämpfung lässt sich fast immer lösen, wenn man frühzeitig hinschaut. Wer bereits im Dezember oder Januar kontrolliert, ob z. B. der Ölrettich wieder durchtreibt, kann seinen Einsatz planen.
Eine durchdachte Herbizidstrategie stellt sicher, dass eine ausreichende Wirkstoffaufnahme erfolgt, um die Zwischenfrucht bekämpfen zu können, ohne die Entwicklung der Folgekultur zu gefährden.
Letztlich gilt: Kenne deine Mischung und beobachte deinen Acker. Mit dem richtigen Timing und dem passenden Wirkstoff bleibt die Zwischenfrucht ein nützlicher Helfer und wird nicht zum Problem.
Wie eine kluge Herbizidstrategie die Wirkstoffaufnahme optimiert, um die Zwischenfrucht bekämpfen zu können und die Folgekultur zu stärken!
Lass dich nicht von Durchwüchsen aus dem Konzept bringen! Eine Zwischenfrucht ist und bleibt dein wertvollster Mitarbeiter für den Bodenaufbau. Mit dem richtigen Blick auf das Stadium der Pflanzen und einem gezielten Management im Frühjahr meisterst du jede Herausforderung im Handumdrehen.
Hast du Fragen zu deiner speziellen Mischung oder planst du gerade die Strategie für deine nächsten Flächen? Schreib uns deine Erfahrungen in die Kommentare oder kontaktiere uns direkt – wir unterstützen dich dabei, das Beste aus deinem Acker rauszuholen!
Unsere Artikel gibt es auch als Youtube Videos erklärt von Christoph Gutscher




Kommentare