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Ist meine Zwischenfrucht der Schlüssel, um Stickstoff nachhaltig zu binden und die N-Mineralisierung verfügbar zu machen?

  • 24. Feb.
  • 2 Min. Lesezeit
DIE Zwischenfrucht und DER Stickstoff

Stickstoff ist im Ackerbau der wohl wichtigste Nährstoff – aber er ist auch ein Teamplayer. Er darf niemals isoliert betrachtet werden, sondern muss immer im Kontext der gesamten Bodenbiologie und vor allem des Kohlenstoffs gesehen werden. Wer das Stickstoffmanagement seiner Zwischenfrüchte im Griff hat, erfreut sich an einem optimalen Bodenleben.



Der Praxisversuch: Ernüchternde Erkenntnisse 

In einem Praxisversuch auf dem FARM2FARM Betrieb wurde deutlich, wie schnell das System an Grenzen stößt. Trotz früher Aussaat Ende Juli entwickelten sich die Bestände unbefriedigend. 


Versuchsanbau FARM2FARM mit einer diversen und einer Standardzwischenfruchtmischung nach Weizen

Die Bodenanalyse brachte Gewissheit: 0 kg mineralisierter Stickstoff waren verfügbar.


Die Gründe für diesen Stickstoffmangel:


  • Hohe Strohmengen:

    Das Getreidestroh der Vorfrucht blieb am Acker.


  • Weites C:N-Verhältnis:

    Stroh hat viel Kohlenstoff (C) und wenig Stickstoff (N). Bei der Verrottung wird der vorhandene Stickstoff von Mikroorganismen „weggeschnappt“.


  • Fehlende Mineralisierung:

    Ohne intensive Bodenbearbeitung wird weniger Stickstoff aus dem Humuspool freigesetzt.



Entscheidend ist das C:N-Verhältnis!

Das Verhältnis zwischen Kohlenstoff und Stickstoff entscheidet darüber, ob Nährstoffe für die Folgefrucht bereitgestellt oder blockiert werden.


C:N-Verhältnis

Effekt auf den Stickstoff

Leguminosen (z.B. Klee)

eng (ca. 10:1 - 15:1)

  • Schnelle Mineralisierung

  • hohes Auswaschungsrisiko im Winter

Artenreiche Mischung

ausgewogen

  • Bindung über Winter

  • Freisetzung im Frühjahr

Grünschnittroggen (spät)

weit (ca. 50:1)

  • Starke Stickstofffixierung

  • Gefahr der “Stickstoffsperre”


4 Szenarien für die Praxis

Wie sich eine Zwischenfrucht auf die Folgefrucht auswirkt, hängt massiv von der Zusammensetzung ab:


  1. Frühe, üppige Bestände: Wenn diese ins Schossen kommen und „strohig“ abfrieren, binden sie im Frühjahr Stickstoff.


  2. Reine Leguminosen: Sie liefern zwar schnell Stickstoff, verlieren aber über Winter oft bis zu 25 kg N durch Auswaschung.


  3. Die ideale Mischung: Artenreiche Bestände mit winterharten Leguminosen. Sie nutzen die Vegetationszeit länger und mineralisieren im Frühjahr punktgenau.


    Problem bei reinen Leguminosen: N-Verluste durch frühe Verrottung

  4. Überwinternde Nicht-Leguminosen: Ein Grünschnittroggen, der im Frühjahr massiv Biomasse bildet, entzieht dem Boden genau dann Stickstoff, wenn der Mais ihn braucht.



Strategien für ein cleveres Nährstoffmanagement

Man muss ein Gefühl für die Flächen entwickeln, da das exakte Messen der Verhältnisse im Alltag schwierig ist. Dennoch gibt es klare Werkzeuge:


  • Mischungen nutzen

    Die Kombination aus Leguminosen und Nicht-Leguminosen minimiert das Auswaschungsrisiko.


  • Gezielte Düngung

    Bei weiten C:N-Verhältnissen muss die „Stickstoffsperre“ eventuell durch eine gezielte Düngung (z. B. CULTAN-Verfahren bei Direktsaat) überbrückt werden.


Achtung: Standortfaktoren beachten!

Vergleiche mit Versuchen aus südlicheren Regionen (z. B. USA) hinken oft, da uns in Nord- und Mitteleuropa im Herbst die Sonnenenergie für massive Biomassebildung fehlt.


Studie der USA: Auswirkung des C:N-Verhältnisses auf den Ertrag des Maises


Fazit: Biologie verstehen statt pauschal urteilen


Wichtig für die Praxis: Um den Stickstoff zu binden, solltest du die Mineralisierung con deiner Zwischenfrucht kennen und diese zum richtigen Zeitpunkt verfügbar einsetzen zu wissen. Denn eine pauschale Aussage wie „Die Zwischenfrucht bringt X kg Stickstoff“ gibt es nicht. Es ist ein komplexes Zusammenspiel aus Saatzeitpunkt, Artenwahl und Umbruchmanagement. Wer jedoch das C:N-Verhältnis im Hinterkopf behält, kann die Nährstoffdynamik auf seinem Betrieb aktiv steuern und die vielen unbestrittenen Vorteile der Zwischenfrüchte voll ausschöpfen.



Mit der richtigen Zwischenfrucht, Mineralisierung verstehen, Stickstoff binden und für deine Folgefrucht verfügbar machen!


Möchtest du das Stickstoff-Potenzial deiner Flächen voll ausschöpfen und die gefürchtete Stickstoffsperre umgehen? Wir unterstützen dich dabei, die perfekte Strategie für deinen Standort zu finden.




Unsere Artikel gibt es auch als Youtube Videos erklärt von Christoph Gutscher



 
 
 

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