Welche Zwischenfrucht-Aussaat nach meinem Mais: Eine frühe oder späte Herbstaussaat?
- vor 5 Tagen
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Zwischenfrucht nach Mais, nach Silomais oder nach Körnermais – das ist kein einfaches Thema. Wenn die Hauptfrucht den Acker erst spät im Herbst räumt, stellen sich viele Landwirte die Frage: Macht eine Aussaat jetzt überhaupt noch Sinn? In diesem Artikel teilen wir wichtige Überlegungen und Praxiserfahrungen mit dir, damit dein Boden auch nach der Maisernte optimal versorgt ist.
Das Ziel definieren: Warum säst du?
Bevor du zum Saatgut greifst, musst du dir über dein Ziel im Klaren sein. Nur wer das Ziel kennt, kann die richtige Strategie wählen:
Einfache Bodenbedeckung
Schnell und unkompliziert etwas Grün auf den Acker bringen.
Futternutzung
Gezielter Aufbau von Biomasse für die Fütterung.
Nährstoffschutz
Stickstoff vor Auswaschung bewahren und für das Frühjahr speichern.
Bodenstruktur
Durchwurzelung verbessern und Bodenleben fördern.
⇒ Für komplexe Ziele wie Nährstoffspeicherung oder Strukturverbesserung brauchst du Biomasse – oberirdisch wie unterirdisch.
Der Zeitfaktor: Abfrostend oder überwinternd?
Die Vegetationszeit ist im Herbst der limitierende Faktor. Je nach Erntezeitpunkt ändert sich die Strategie grundlegend:
Frühe Aussaat (Anfang bis Mitte September)
Hier haben abfrostende Arten wie Sandhafer, Ölrettich oder Gelbsenf noch eine Chance. Sie nutzen die letzten warmen Sonnenstunden für die Entwicklung.

Späte Aussaat (ab Mitte September)Hier führt kein Weg an überwinternden Pflanzenarten vorbei. Damit die Zwischenfrucht ihre Ziele erreicht, muss sie im Frühjahr weiterwachsen können, wenn die Tage wieder länger werden.

Beachte: Eine Zwischenfrucht nach Mais erfordert je nach späte oder frühe Aussaat eine völlig unterschiedliche Artenwahl und Managementstrategie!
Die richtige Artenwahl für den Herbst
Wenn es spät wird, schrumpft das Sortiment. Folgende Arten haben sich in der Praxis bewährt:
➜ Gräser:
Grünschnittroggen ist der "König der Spätsaat". Er ist extrem frosthart und fördert die Mykorrhiza, was dem Mais im Folgejahr zugutekommt.
Welsches Weidelgras ist ebenfalls eine Option, braucht aber etwas früher Wärme als Roggen.
➜ Kreuzblütler:
Winterrübse oder Winterfutterraps sind robust und kommen mit geringeren Aussaatstärken aus.
➜ Leguminosen:
Winterwicken (Pannonische oder Zottelwicke) und Inkarnatklee können funktionieren, tun sich bei sehr späten Terminen im Herbst aber schwer. Sie kommen oft erst im Frühjahr richtig in Fahrt.
Technik und Aussaat: Drillsaat oder Streuen?
Das Risiko steigt mit jedem Tag im Kalender. Bei der Technik gilt:
Späte Notlösung:
Ende Oktober kann das Ausstreuen von Grünschnittroggen mit dem Düngerstreuer funktionieren, wenn es schnell gehen muss.
Qualitätsanspruch:
Wer in teure Mischungen investiert, sollte auf Drilltechnik setzen. Nur die exakte Ablage garantiert, dass die verschiedenen Partner in der Mischung eine Chance zum Keimen haben.
ABER ACHTUNG!
Eine Zwischenfrucht im Herbst ist kein Selbstläufer. Folgende kritische Punkte gilt es zu beachten:
Stickstoffsperre:
Bei viel Biomasse (z.B. Roggen) kann im Frühjahr Stickstoff im Boden gebunden werden. Hier musst du eventuell frühzeitig mit einer Düngung gegensteuern.
Wasserhaushalt:
In Trockengebieten kann eine überwinternde Zwischenfrucht den Oberboden für den folgenden Mais zu stark austrocknen.
In nassen Regionen hingegen kann die Matte das Abtrocknen verhindern.
Umbruch:
Überlege dir vorher, wie du den Bestand mechanisch oder chemisch terminieren willst. Ein Walzen oder Crimpen ist bei Mischungen oft anspruchsvoll.
Fazit
Es gibt kein Pauschalrezept, das für jeden Betrieb funktioniert. Aber gerade in Mais intensiven Fruchtfolgen macht es Sinn, die einseitige Bodenbelastung durch eine passende Zwischenfrucht zu unterbrechen. Probiere aus, was auf deinem Standort funktioniert!
Ob späte oder frühe Aussaat der Zwischenfrucht nach deinem Mais, es sind deine betriebsspezifischen Anforderungen!
Auch wenn das Zeitfenster nach der Maisernte eng wird, gibt es Lösungen, um deinen Boden fit für die nächste Saison zu machen. Egal, ob du auf Grünschnittroggen zur Mykorrhiza-Förderung setzt oder eine winterharte Mischung zur Nährstofffixierung etablieren willst – der Erfolg beginnt bei der richtigen Planung und dem passenden Saatgut.
Lass den Acker über den Winter nicht ungenutzt! Wir bei Farm2Farm unterstützen dich dabei, die passende Strategie für deinen Betrieb zu finden und bieten dir speziell abgestimmte Mischungen für deine präferierte Aussaat an.
Unsere Artikel gibt es auch als Youtube Videos erklärt von Christoph Gutscher




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