Warum sollte man Gräser in der Zwischenfrucht fördern und was hat die Wurzelarchitektur damit zu tun?
- Sabina Auberger
- 19. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Wenn wir über Ackerbau und Zwischenfrüchte reden, denken viele zuerst an Leguminosen oder Kreuzblütler. Dabei fällt die Familie der Süßgräser zu oft unter den Tisch! Dabei geht es nicht um Ungräser, sondern um funktionelle, klug ausgewählte Gräser. Es braucht eine diverse Mischung aus verschiedenen Pflanzenfamilien, um die Ziele der Zwischenfrucht optimal zu erreichen.
Die verborgene Superkraft: Die einzigartige Wurzelarchitektur
Der Hauptgrund, warum Gräser in der Mischung unverzichtbar sind, ist ihre spezielle Wurzelarchitektur, die sich fundamental von anderen Pflanzen unterscheidet:
Der architektonische Unterschied:
Im Gegensatz zur dicken Pfahlwurzel (wie beim Ölrettich) bilden Gräser ein System aus feinen, faserigen Wurzeln. Sie haben keine zentrale Hauptwurzel, sondern ein breites, verteiltes Netzwerk. → Diese feine, horizontal ausgerichtete Wurzelarchitektur der Gräser vergrößert die Wurzeloberfläche stark und durchwurzelt vor allem den oberen Bodenhorizont, der für das Bodenleben entscheidend ist.

Masse und Stabilität: Gräser liefern eine sehr hohe Wurzelbiomasse. Diese Masse stabilisiert den Boden und übertrifft in den obersten Schichten oft sogar die Leistung von Leguminosen.
Wie fördern Gräser das Mikrobiom?
Die hohe Wurzeloberfläche ist der Schlüssel, um die biologische Aktivität im Boden anzukurbeln. Gräser können dadurch das Bodenleben massiv fördern:
Höchste mikrobielle Aktivität
Die höchste mikrobielle Aktivität im Boden findet dort statt, wo Wurzeln sind – in den Wurzelgängen.
Dank der hohen Oberfläche der Gräser wird mehr Bodenleben gefüttert. Dies führt zu einer sehr hohen Enzymaktivität, die Nährstoffe (z. B. Stickstoff, Phosphor) mobilisiert.
Mykorrhiza und Nährstoffzugang
Gräser sind oft sehr stark mykorrhizierend. Sie gehen eine Symbiose mit Pilzen ein, um schwer erschließbare Nährstoffe, wie etwa Phosphor, zugänglich zu machen.
Wichtig: Andere Familien, wie die Kreuzblütler, können diese wichtige Mykorrhizasymbiose nicht eingehen. Hier ergänzen sich die Gräser ideal in der Mischung.
Überprüfe die Aktivität in deinem Boden selbst:
Die Wurzeln scheiden Kohlenstoffverbindungen (Zucker, Fette, Säuren – sogenannte Wurzelexsudate) aus.
→ Diese Stoffe kleben die Mikroben mit den Erdteilchen und den Wurzeln zusammen.
→ Das führt zu der sichtbaren Anhaftung der Erde an den Feinwurzeln
= Direktes Zeichen für eine erfolgreiche und hohe Aktivität, die das Bodenleben fördern.
Auf das Management kommt es an!
Achtung! Gefahr der Stickstoffsperre:
Gräser haben ein hohes C:N-Verhältnis. Je weiter die Pflanze entwickelt ist (insbesondere wenn sie ins Schossen kommt), desto strohiger wird das Material.
→ Folge: Das Material wird langsamer abgebaut und es kann zur temporären Stickstoffsperre für die Folgekultur kommen. Das heißt der Stickstoff wird gebunden und steht nicht für die Folgekultur zu Verfügung.
Lösung! Klug kombinieren:
Lange vegetative Phase fördern: Wir wollen die vegetative Phase (Wurzelwachstum und -ausscheidungen) so lange wie möglich fördern, da die Wurzelausscheidungen nachlassen, sobald die Pflanze ins Schossen kommt.
Kluge Mischung: Die Kombination mit Leguminosen (die Stickstoff liefern) ist notwendig, um das C:N-Verhältnis in der Mischung auszugleichen.
Zeitpunkt und Sorte: Die Wahl der richtigen Art für den Saattermin ist entscheidend (z. B. Sandhafer für frühe, Grünschnittroggen für spätere Saaten) und das Wissen um die besten Sorten (z. B. Sortenstudien zur Mykorrhizierungsstärke beim Sorghum).
Ackerbau-Exzellenz-Beispiel: Die richtige Gräser-Wahl
Aktuell wird in den Zwischenfruchtmischungen noch sehr auf Getreidearten (die zur Familie der Süßgräser gehören) gesetzt, da diese Arten ebenfalls mit ihrer einzigartigen Wurzelarchitektur die biologische Aktivität optimal fördern.
Entscheidend ist, dass es nicht das einzelne Gras ausmacht, sondern die kluge Kombination der Arten, um das längstmögliche vegetative Wachstum zu erreichen.
Hier siehst du anhand von Beispielen, wie wir verschiedene Gräsertypen in der Mischung je nach Aussaatzeitpunkt strategisch einsetzen, um die Stickstoffsperre zu vermeiden und das Schossen hinauszuzögern:
Gräsertyp | Idealer Aussaatzeitpunkt | Fokus & Funktion | Management-Hinweis (Schossen) |
Sand-Hafer | Frühe Aussaat (Mitte/Ende Juli) | Schnelle Biomasse-Entwicklung und Unkrautunterdrückung in den Sommermonaten. | Kurze Vegetationszeit: Kommt schnell ins Schossen. Daher ideal für frühe Termine, muss aber früh umgebrochen werden. |
Sorghum | Frühe Aussaat (Sommer) | Hitze- und Trockenheitstoleranz. Sehr starke Mykorrhizierung zur Nährstoffmobilisierung (Phosphor). | Schnelles Abfrieren: Friert bei leichtem Frost ab. Der hohe Biomasse-Effekt ist schnell da, das C:N-Verhältnis muss durch Leguminosen ausgeglichen werden. |
Grünschnittroggen | Spätere Aussaat (Ende August/Sept.) | Lange vegetative Phase, Winterhärte und hohe mikrobielle Aktivität bis ins Frühjahr. | Spätes Schossen: Kommt erst im Frühjahr ins generative Wachstum, daher ideal, um die Wurzelaktivität über den Winter zu fördern. |

Fazit: Die Gräser spielen eine große Rolle in deiner Mischung
Es ist klar geworden: Die Entscheidung, Gräser in deine Zwischenfrucht zu integrieren, ist kein Zufall, sondern eine strategische Notwendigkeit. Die Familie der Süßgräser liefert durch ihre einmalige, feinfaserige Wurzelarchitektur genau die Leistung im Oberboden, die andere Pflanzenfamilien nicht erbringen können. Diese hohe Wurzeloberfläche ermöglicht es uns, die mikrobielle Aktivität und die Mykorrhizierung massiv zu fördern und somit die biologische Stabilität deines Ackers zu sichern.
Gräser in der Zwischenfrucht: Wurzelarchitektur gezielt fördern!
Denke immer daran: Der Erfolg liegt in der klugen, sortenspezifischen Kombination der Arten, um das vegetative Wachstum zu maximieren und die biologischen Vorteile optimal auszuschöpfen. Nur so erreichst du nachhaltigen und profitablen Ackerbau. Wir entwickeln für dich maßgeschneiderte, artenreiche Zwischenfruchtmischungen, die perfekt auf deinen Betrieb und deinen Saattermin abgestimmt sind.
Unsere Artikel gibt es auch als Youtube Videos erklärt von Christoph Gutscher




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