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Wie nutzen Leguminosen den Stickstoff aus der Luft und wie funktioniert die Symbiose mit den Knöllchenbakterien?

Wie können Leguminosen Stickstoff aus der Luft holen?

Pflanzen wie Erbsen, Sojabohnen oder Klee haben eine beeindruckende Superkraft: Sie können ihren eigenen Dünger herstellen. Doch wie genau schaffen sie das? In diesem Artikel erklären wir dir Schritt für Schritt, wie dieses Naturwunder funktioniert und wie du den Erfolg auf deinem Acker kontrollieren kannst.



So funktioniert die Symbiose

Leguminosen können den Stickstoff nicht alleine binden. Sie gehen ein faszinierendes

Tauschgeschäft mit ganz spezifischen Bodenbakterien, den Rhizobien, ein.


Der Lockruf: 

Wenn die Pflanze im Boden zu wenig Stickstoff findet, sendet sie über ihre Wurzeln chemische Signale aus.


Der Einzug: 

Die passenden Bakterien folgen diesem Ruf, die Wurzel öffnet einen Kanal und lässt sie eintreten.


Die Knöllchen: 

In der Wurzel entwickeln sich die Bakterien weiter, wodurch die charakteristischen Knöllchen entstehen.


Der Handel: 

Die Bakterien wandeln Stickstoff aus den Bodenporen in eine für die Pflanze nutzbare Form um. Als Gegenleistung liefert die Pflanze den Bakterien wertvolle Energie in Form von Zucker (Assimilate), die sie durch Photosynthese gewinnt.



Fakten-Check: Energie und Ertrag

Der Prozess ist für die Pflanze extrem aufwendig, aber lohnenswert:


  • Energieaufwand

    Bis zu 25 % der gesamten Energie, welche die Pflanze durch Photosynthese erzeugt, fließt direkt in die Knöllchen.


  • Stickstoff-Leistung

    Im Schnitt werden 100 bis 150 kg Stickstoff pro Hektar gebunden – in Spitzenfällen sogar bis zu 400 kg.


  • Selbstregulierung: 

    Sobald die Pflanze genug Stickstoff direkt aus der Bodenlösung (z.B. durch Mineraldünger) bekommt, stellt sie die Versorgung der Bakterien ein und die Symbiose endet.



Den Erfolg prüfen: Der „Blutrot-Test“

Du willst wissen, ob deine Pflanzen gerade aktiv Stickstoff sammeln? Das lässt sich ganz einfach im Feld überprüfen:


  1. Grabe eine Pflanze vorsichtig aus.

  2. Suche nach den Knöllchen an den Wurzeln.

  3. Schneide ein Knöllchen mit einem Messer durch.


    ⇒ Das Ergebnis: 

    Ist das Innere blutrot, ist die Symbiose aktiv! Die rote Farbe stammt vom Leg-Hämoglobin, das – ähnlich wie unser Blut – den Sauerstoffgehalt reguliert, damit die Bakterien optimal arbeiten können.



Knöllchenbildung: Was hilft und was schadet?

Damit die Bakterien Höchstleistungen bringen, müssen die Bedingungen im Boden stimmen.

Förderliche Faktoren

Hemmende Faktoren

Moderate Temperaturen (ab 15 °C)

Hitze über 38 °C

Gute Durchlüftung & Feuchte

Staunässe & Verdichtungen

Nährstoffe: Schwefel, Phosphor

Trockenheit

Mikronährstoffe: Molybdän, Bor, Kobalt

Hohe Stickstoffgehalte im Boden


Saatgut impfen: Wann ist es sinnvoll?

Nicht jeder Boden enthält von Natur aus genügend oder die richtigen Bakterienstämme.


✓ Heimische Arten: 

Bei Erbsen oder Klee sind oft genug Rhizobien vorhanden, eine Impfung kann durch effizientere Stämme aber dennoch Vorteile bringen.


✓ Exoten: 

Bei Kulturen wie der Sojabohne ist eine Beimpfung auf „jungfräulichen“ Böden zwingend erforderlich.


✓ Qualität zählt: 

Wichtiger als der Bakterienstamm selbst ist die Anzahl lebender Bakterien am Korn (Ziel: 50.000–100.000 pro Korn). Achte auf kühle Lagerung und Schutz vor UV-Strahlung vor der Aussaat.


Ein tiefes Verständnis der biologischen Abläufe hilft jedem Landwirt zu verstehen, wie genau Leguminosen ihren Stickstoff aus der Luft holen und mit den Knöllchenbakterien eine Symbiose eingehen. Für ein gesundes Pflanzenwachstum und hohe Erträge.



Du möchtest für deinen Betrieb die richtigen Leguminosen, um effizient Stickstoff aus der Luft zu holen und die Symbiose mit den Knöllchenbakterien zu fördern?


Jeder Standort ist anders, und nicht jede Leguminose passt zu jedem Boden. Wir von farm2farm unterstützen dich dabei, die Biologie deiner Flächen optimal zu nutzen. Wir erstellen betriebsindividuelle Mischungen mit Leguminosen, die exakt auf deine Fruchtfolge und Bodenverhältnisse abgestimmt sind, um genau diese Symbiose zu fördern und deine Stickstoff-Effizienz nachhaltig zu steigern.




Unsere Artikel gibt es auch als Youtube Videos erklärt von Christoph Gutscher


 
 
 

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