Wie kann ich meinen Ackerboden vor Trockenheit schützen und die Wasserspeicherfähigkeit nach starkem Niederschlag maximieren?
- Sabina Auberger
- 17. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Wir sehen uns in Mitteleuropa mit extremen Wetterverhältnissen konfrontiert: Intensive Niederschlagsereignisse wechseln sich mit langer Trockenheit ab. Das bedeutet, dass unsere Ackerboden leiden – und zwar massiv. Wir können bestehende Werkzeuge nutzen, um das Maximum aus dem Boden herauszuholen.
Das ist eigentlich ganz einfach und lässt sich auf physikalischer Ebene klar erklären.
1. Zwei Ziele: Infiltration und Speicherung
Ziel 1: Maximales Infiltrationspotenzial
Definition: Die Menge an Niederschlag (mm pro Stunde), die der Boden aufnehmen kann, bevor es zu Runoff (Oberflächenabfluss) kommt.
Wichtigkeit: Verhindert Erosion und den Verlust wertvoller Nährstoffe (Feinteile/Tonkomplexe), die mit dem Wasser wegschwimmen.
Ziel 2: Maximale Wasserspeicherfähigkeit
Definition: Wie viel Wasser kann der Boden speichern, das in ihn eingedrungen ist?
Wichtigkeit: Sorgt dafür, dass Pflanzen die Trockenheit länger durchhalten können.
2. Zwei Probleme: Verschlämmung und Verlust der Speicherkapazität
Problem 1: Verschlämmung
Warum kann der Boden extreme Regenereignisse oft nicht verarbeiten? Weil die Aufnahmefähigkeit (Infiltrationspotenzial) zu schnell kollabiert.
Der Mechanismus der Verschlämmung
Hohe Energie: Die Regentropfen treffen ungebremst mit hoher kinetischer Energie auf die Bodenoberfläche auf.
Aggregate werden gesprengt: Diese Energie zerstört die stabilen Aggregate (Ton-Humus-Komplexe).
Porenverschluss: Die dabei zerfallenden feinen Schluff- und Tonteilchen schließen die großen Poren an der Oberfläche.
→ Folge: Die Oberfläche "macht zu" und wird zu einer Dichtfläche. Das Wasser kann nicht mehr eindringen – es entsteht die sogenannte Splash-Erosion und die Kruste.
→ Merke: Dieses Problem tritt gerade bei fruchtbaren, hochpotenziellen schluffigen und lehmigen Böden auf.
Problem 2: Destabilisierung der Makroporen
Selbst wenn das Wasser im Boden ist, gibt es Risiken, die die innere Bodenstruktur und damit die Wasserspeicherfähigkeit reduzieren:
1. Slaking (Der Druck-Kollaps)
Problem: Ein trockener Boden wird schlagartig nass. Das Wasser dringt durch Kapillarwirkung in die großen Makroporen ein.
Physik: Die Luft in den Poren wird komprimiert.
→ Folge: Der Luftdruck sprengt die Aggregate, die großen Poren fallen zusammen – wir verlieren Wasserspeicherfähigkeit.
2. Aufquellen (Bei schweren Tonböden)
Problem: Wasser trifft auf schwere, tonige Böden.
Physik: Kalzium- und Magnesiumverbindungen, die die Tonplättchen stabil halten, sind stark wasserquellend.
→ Folge: Die Plättchen werden auseinandergedrückt und die Aggregate – ähnlich wie bei Frostgare – zerstört.
3. Zwei Lösungen: Wassertropfen abbremsen und Boden stabilisieren
Lösung 1: Wassertropfen abbremsen, gegen Verschlämmung
Die aggressiven Regentropfen müssen abgebremst werden, bevor sie den Boden erreichen und zerstören:
Mulchmaterial: Ein organischer Mulch an der Oberfläche fängt die Tropfen ab und zerstreut sie.
Lebender Bewuchs: Lebende Pflanzen (Zwischenfrüchte) bremsen den Regen durch ihre Blätter ab.
→ Effekt: Durch einen Bedeckungsgrad von über 60 – 80 % reduzieren wir die Verschlämmung signifikant und halten das Infiltrationspotenzial hoch.
Lösung 2: Boden stabilisieren um Wasserspeicherfähigkeit zu erhalten
Die Konsequenz ist klar: Die Anzahl der Makroporen muss erhöht und stabil gehalten werden. Dafür brauchen wir einen biologischen Kit!
Werkzeuge um die Aggregatstabilität zu erhöhen:
Werkzeug | Mechanismus | Effekt |
Lebender Bewuchs (Zwischenfrüchte) | Wurzelexsudate (Zucker, Säuren, Fette) wirken als Klebstoff. Mikrobiom und Pilzhyphen (Mykorrhiza) bilden ein stabiles Myzelnetzwerk. | Hält Aggregate stabil gegen Druck (Slaking) und Quellung. |
Regenwurm-Förderung | Regenwurmgänge schaffen stabile Bioporen (Makroporen), die hoch aufnahmefähig sind. | Erhöht die Infiltration und die Wasserspeicherfähigkeit. |
Nice to know: Der Zwischenfrucht-Vorteil
Deutsche Studie: Hochdiverse Zwischenfruchtmischungen hatten eine um 16 % höhere Aggregatstabilität (im Vergleich zur Schwarzbrache).
US-Studie (Legacy-Effekt): Vier Monate nach dem Umbruch einer Zwischenfrucht war:
Die Wasserspeicherfähigkeit um 64 % höher als ohne Zwischenfrucht.
Die Versickerungsfähigkeit (Infiltration) doppelt so hoch.
→ Dies belegt, dass die oben genannten Lösungen essentiell sind, um unseren Ackerboden vor Trockenheit zu schützen, die Wasserspeicherfähigkeit gezielt zu erhöhen und den Niederschlag maximal zu nutzen.
Deinen Ackerboden vor Trockenheit schützen: Optimiere die Wasserspeicherfähigkeit für jeden Niederschlag!
Der Schlüssel liegt in der Zwischenfrucht. Wir helfen dir, die passende, individuelle und diverse Mischung zu entwickeln, um deine Bodenstruktur zu stabilisieren und die Wasserspeicherfähigkeit deines Ackerbodens zu maximieren.
Unsere Artikel gibt es auch als Youtube Videos erklärt von Christoph Gutscher


















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